blue edition

Mars-Umbauten

Mein Mars-Tourenrad ist dreißig und mehr Jahre alt. Vermutlich ist es noch aus DDR-Produktion (oder Vietnam?). Vielleicht könnte das schmale, auch noch mit einer Reduziermuffe verschweißte Sattelrohr mit minus 25 mm Ø Aufschlüsse darüber liefern, wo Derartiges hergestellt wurde. Leider verbietet dieser Umstand den Einbau einer Federsattelstütze, was ich gerne getan hätte…


Aber grundsätzlich ist diese Fietse ziemlich unverwüstlich. Nichts ist bisher verbogen oder gebrochen, obwohl ich durchaus manchmal Trails befahre, oder mich auf grob geschotterten Pisten durchschütteln lasse (was mit den schmalen City-Felgen und -reifen nicht gerade ein Vergnügen ist). Sehr gut finde ich immer noch die Laufeigenschaften, was man bei Gemeinschaftsfahrten durch Vergleiche der Trittfrequenz mit anderen Teilnehmenden feststellen kann.

Nun aber zu den technischen Fakten:

  1. Bei einem Sommerurlaub hatte ich dann doch mal eine leichte Acht im Vorderrad. Die Werkstatt in Hemmoor hat dann außer einer neuen Felge auch noch ein bisschen Runderneuerung vorgeschlagen und ausgeführt: Ein 7. Ritzel für die Shimano-Deore-DX-Kettenschaltung (die ansonsten immer noch ihren Dienst tut) und ein neues Shimano-Tretkurbelwerk. Bergfahrten mit 21 statt 18 Gängen sind nun komfortabler, und das Tretlager knackt nicht mehr.
  2. Meine heimatliche Fietsen-Werkstatt beschäftigt Berufsein- und Umsteiger und bildet diese auch aus. Von ihr stammen die Erneuerung der Schalt/Bremsgriffe (mit robusten, gebrauchten Shimano-Teilen) und der Einbau einer langen, rostfreien Lenkerstange, damit ich beim Trekking nicht so kauern muss und mir den Hals verrenke. Den Multifunktions-Lenker hatte ich vorher schon selbst ausgetauscht. Auch das kräftige Rahmenschloss mit Kette wurde mir hier empfohlen.
  3. Am interessantesten ist sicherlich der Speichendynamo, der nun auch schon 20 Jahre auf dem Buckel hat und mal geschmiert werden müsste. Dazu kann ich ihn ganz auseinanderschrauben. Er wird von einem kleinen Zahnriemen angetrieben – Ersatzteile wurden im Kaufpaket mitgeliefert!
    Der einklappbare Mitnehmer zum Ein- und Ausschalten des Fahrlichts.

    Es ist sehr schade, dass diese Technik 2002 nicht mehr weiter entwickelt wurde, weil die Firma in Konkurs gegangen ist und niemand an einem Neubeginn Interesse hatte. Über die  Rutschanfälligkeit von Seitenläufer-Dynamos bei Regen und Schnee hatte ich mich schon als Kind immer geärgert.

  4. Mit der Erfindung von LEDs hat überhaupt die Beleuchtungstechnik von Fahrrädern einen entscheidenden Schub nach vorne gemacht. Ein neuer Scheinwerfer und ein neues Rücklicht mit Standlichtfunktion bringt den Speichendynamo erst richtig zur Geltung. Verdrahtet wurde alles mit der vorhandenen 1-Litze-Technik mit dem Nullleiter am Rahmen (dass Fietsen-Licht mit Wechselstrom läuft, habe ich jetzt erst gelernt. Daher brauchen USB-Anschlüsse einen Gleichrichter, welche die Sache  teuer und wegen der verhältnismäßig hohen Leistungsaufnahme auch unpraktisch machen. Einfache Powerbanks sind hierfür die bessere Lösung).
  5. Damit wären wir beim Smartphone-Betrieb, der die Fahrradkarten aus Papier abgelöst hat. Ich fahre mit dem Radler-Navi komoot – Konkurrenzprodukte sind nicht unbedingt schlechter, was halt auch ein bisschen Gewöhnung ist. Bisher habe ich eine schlichte [Smartphonetasche von Klickfix] benutzt, deren Maße aber allmählich an die Grenzen ihres Fassungsvermögens gekommen sind, und mit den Jahren auch etwas aufträgt. Da kam die etwas komfortablere Tasche von Rockbros gerade recht, die mit meinem neuen [Tern Link C7i-Faltrad] mitgeliefert wurde, aber ein wackeliges Befestigungssystem hat. Ich habe {Rockbros und Klickfix kompatibel] gemacht, und kann mein Smartphone nun an beiden Fietsen sicher festmachen.
  6. Nach meiner Prostata-OP habe ich mir einen [neuen Sattel anpassen] lassen. Er ist zwar hart gefedert, aber durch den Belüftungsschlitz gibt es keine Taubheit mehr im Schritt nach längeren Fahrten.
  7. Der einfache SIGMA-Fahrradcomputer hat einen Kabel-Sensor. Das dazugehörige USB-Dock ist eine nette Spielerei, denn das mittlerweile sehr betagte Computerprogramm läuft nur unter Windows und bietet wenig Infos. Wenn ich mit komoot fahre, ist der Tacho ganz entbehrlich.
  8. Der Warnklingel-Sektor wird von den Zubehör-Herstellern stiefmütterlich behandelt, wie ich finde. Diese leisen „Pings“ oder „Ding-Dongs“ bringen es im lauten Verkehr nicht. Leider sind ja die einstigen „Sturmklingeln“ (Seitenläufer) seit langem verboten, aber unsere Freunde in China haben einen guten Kompromiss konstruiert. Eine solche „Chinaklingel“ findet man [am günstigsten bei Pearl]. Am Multifunktionslenker ragt sie auch nicht so arg heraus.
  9. Was gibt es noch? Das robuste AXA-Rahmenschloss mit Kette, die Luftpumpe unter dem Oberrohr, eine Dreiecktasche für ein wenig Zubehör (Hosenklammer, Taschentücher, Toolbox, Dies & Das – und, ja, sehr wichtig: Für den Schrader-Ventiladapter, mit dem ich mit meinen Dunlop-Blitzventilen an Tankstellen sehr komfortabel Luft holen kann. Ich fahre knapp unter dem Reifendruck-Limit von 4,0 bar vorne und 4,5 bar hinten, was dem Rollwiderstand zugute kommt. Für Tagestouren habe ich noch meine Trinkflasche und eine kleine Lenker-Kühltasche.
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