POLO-Fahrbericht und erster Test

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Was ich in den Jahren 2009–2017 mit meinem blauen POLO 6R TDI Comfortline 66kW DSG-7 alles erlebt habe. (Read only).

POLO-Fahrbericht und erster Test

Ungelesener Beitragvon Motetus » Sonntag 27. April 2014, 17:40

So, jetzt (13.04.2010) ist 1/4 Jahr rum:
Verwöhnt bin ich natürlich vom Golf-ecomatic - eines der letzten voll aktiven Exemplare Deutschlands wanderte in die Schrottpresse, obwohl er mit 300.000 km gerade erst anfing, Macken und Mucken zu zeigen, Zylinderkopfdichtung, erste Roststellen und so. Die Start-Stopp-Automatik (auch schon beim Rollen), die beiden Batterien, die Unterdruck-Kupplung (er hatte einen Ganghebel, aber kein Kupplungspedal), die optische Schaltempfehlung, all diese kleinen - für Bj. 1993-Verhältnisse - „Wunder“ haben volle 16 Jahre ohne auch nur den kleinsten Mucks und Ersatzteil klaglos ihren Dienst getan, ich bin immer mit der ecomatic gefahren und habe sie nie, wie die meisten Besitzerkollegen, abgeschaltet und bin selten über 4,2 l Biodiesel-Verbrauch im Vorstadtverkehr gekommen. Da kommt auch der TDI meines POLOs nicht ran! Aber genug des Nachrufes, [dieser Exot war es einfach wert]!

Weil ich also ein mechanisches Kupplungspedal, wie schon DKW in den 50-er Jahren, für völlig überflüssig halte, und die heutige Getriebesteuerung viiiel besser ist als vor 16 Jahren, war es klar, dass ich auf einen schicken Lack verzichten und den Gewinn in das DSG7 stecken würde. Leider gibts das nicht mit Blue-Motion-Technik, die hätte ich gerne dazu genommen! So konnte ich lediglich die schmale Bereifung mit dem geringeren Rollwiderstand bekommen. Die nachrüstbaren BMT-Schürzen wiegen aber nen erhofften Minderverbrauch durch bessere Aerodynamik nicht auf, schätz ich mal. Es ist also klar, dass der neue Polo bei mir nicht mit Durchzug, Beschleunigung, Renntauglichkeit punktet, sondern durch geringe Verbrauchswerte und CO2-Ausstoß. Da liegt er im Vergleich zu anderen Marken einfach in der Spitzengruppe – Hybridfahrzeuge sind z.Zt. jedenfalls keine echte Alternative mehr.

Zur Karosse: Sie ist vorne einfach nur grooooooß, verglichen mit 9N und dem alten Golf ein echter Qualitätssprung! Hinten merkt man es denn, dass es kein neuer Golf ist, das ist eben der feine Unterschied: Zwei Leute haben bequem nebeneinander Platz, der Knieraum ist polomäßig kurz. Verarbeitung und Komfort (so die kleinen Bequemlichkeiten des Alltags) sind tipptopp, da ist der neue Polo auch auf dem neusten Stand und lässt den Fabia deutlich hinter sich.

Styling: Ist natürlich Geschmackssache. Er hat das traditionelle Golf-Breitmaul und nicht diesen (Freunde, entschuldigt bitte:) Passat-Verschnitt der bisherigen Polos, Lupos und Fox'. Aber beim ersten Polotreffen hab ich gemerkt, dass das Passat-Maul etwas freundlicher lächelt... Die Heckpartie ist im Vergleich zum Vorgänger ähnlich, etwas eingeknittert. Ich mag runde Formen (der alte Fabia-Kombi, der alte C3...). Also die corporate Identity ist jetzt konsequenter: der neue Polo hat im Kühlergrill eine Lippe, der Golf zwei. Ganz furchtbar finde ich das Baustellen-Wabengitter im kommenden Polo GTI. Ein echter Schocker im Bastellook. Ich würde mir ganz schnell die "normale" Lippe reinsetzen, vielleicht statt der Chromlinie eine in Rot oder so.

Zum 66-er TDI kann ich nicht viel sagen, kein Unterschied in der Fahrpraxis zum Benziner, soweit ich sehe. Es ist wohl so mit das Beste, was es z.Zt. auf dem Markt gibt, neben BMW. Nicht ohne Grund sind VW-Motoren auch in anderen Marken drin.

Und erst das DSG7! Der Fahrspaß beim ecomatic bestand ja darin, gerade immer so vorausschauend zu fahren, dass er möglichst viel mit „Motor aus“ rollen konnte (Bremskraft-Rekuperation hatte er noch nicht). Wenn man das Gaspedal ganz los ließ, kuppelte er aus und die Maschine ging nach ein paar Sekunden ganz aus. Ein leichter Tipp aufs Gaspedal, und Motor und Kupplung waren wieder da. Damit konnte man auch sehr gefühlvoll schalten (viel besser als die neue Start-Stopp-Automatik beim Blue-Motion, wo man immer diese dämliche Kupplung treten muss, und das auch nur im Stand.) Ähnlich gefühlvoll empfinde ich es beim DSG. Es passt sich nämlich den Fahrgewohnheiten an. Ich beschreib mal drei Fahrweisen:
1. sachte Beschleunigen - es schaltet früh hoch, so bei 1900. Schon bei 60 ist der Polo im 6. Gang. Alles lang übersetzt - wenn man will!
2. Im Stadtverkehr zügig fahren, dann schaltet das DSG mit bissel mehr Druck auf dem Gaspedal so bei 2200.
3. der sog. "Kavaliersstart" mit dem man vor 100 Jahren die Damenwelt beeindrucken wollte, geht auch, soll verbrauchsmäßig soger am besten sein, weil das DSG dann die optimale Umdrehung zum Schalten nimmt. Dann fährt er sich so, wie es die Tuningexperten hier in der Community gerne haben. Da es als D-SG (also „Doppel“-Schaltgetriebe) immer den nächsten Gang schon vorwählt (D-SG meint nicht die Tipptronic-Handschaltung, die man auch noch mit Kippen des Schalthebels nach rechts wählen kann), also wegen der festen Gang-Vorwahl, schaltet das DSG natürlich total zügig und ohne jegliche Verzögerung. „Sportliches“ Fahren (wie gesagt, ich leg da nicht so großen Wert drauf) ist überhaupt kein Problem. Abbiegen und Autobahnauffahrt hochfahren kann man mit beiden Händen am Lenkrad (und überraschende Schlaglöcher umfahren, Hindernissen ausweichen usw. auch), das ist ein unbedingtes Plus an Fahrsicherheit!

Soweit zum gefühlvollen Anfahren mit der anpassungsfähigen Automatik. Das heißt aber nicht, dass das was für schaltfaule „Opas mit Hut“ ist. Es ist nämlich so, dass man mit einem Lupfen des Gasfußes in den höheren Gang schalten kann, der ja schon vorgewählt ist. Das ist dann angesagt, wenn man bei 2500+ oder aufgrund des Motorgeräusches, das ja irgendwann auch mal hörbar ist, oder der Vibrationen im Sitz das Gefühl kriegt, eigentlich könnte er jetzt mal raufschalten, weil vielleicht die Strecke doch nicht so ganz steil ist, und man gerade die Tipptronic jetzt doch nicht drin hat - also man lernt, mit dem Gasfuß die Automatik zu beeinflussen und zum Raufschalten zu animieren, ganz ähnlich wie ich es mit der Kupplung beim ecomatic kannte (nur da reichte ein leichtes Lupfen nicht, man musste das Gaspedal einfach ganz loslassen zum Schalten). Also während des Beschleunigens mit dem Gasfuß spielen, und die Automatik reagiert entsprechend! Das hat mit passivem Fahren und der Befürchtung „ausgeliefert an die Automatik“ zu sein, rein gar nichts zu tun!

Das Runterschalten geht entsprechend. Kickdown gibt es zum Überholen natürlich auch, ansonsten schaltet das DSG beim Rollen ganz brav einen Gang nach dem anderen runter (also kein Auskuppeln wie bei den alten Automatiken), und wenn die Strecke mal ansteigt (bei uns ist es etwas bergig, und ich fahr gerne mit Geschwindigkeitsregelanlage), merkt die Automatik selber, wie tief die Drehzahl liegen darf, und schaltet sanft einen Gang runter, bevor man selber drauf kommt.

Also das DSG7 ist Technik-Faszination pur!
Und heute ist es ja so, dass bei optimaler Übersetzung der Schaltpunkte der Kraftstoffverbrauch nicht mehr höher ist, als bei Handschaltung - vielleicht sogar im Endeffekt niedriger, weil ne moderne Automatik halt die wirtschaftlichsten Fahrstufen kennt. Im Feierabend-Stau nicht ständig zwischen 1. und 2. Gang rätseln zu müssen, ist ein echter Genuss, besonders wenn man sich mit ner/nem netten Beifahrer/in auch noch stressarm unterhalten möchte.

Achja: Die S-Stellung des Schalthebels gibt es auch noch, aber ich habe sie erst ein einziges Mal eingelegt, nur zum probieren. Dann orgelt die Maschine bis hinter 3000 Umdr. hoch, bevor der nächste Gang kommt. Was daran „sportlich“ sein soll, weiß ich nicht. Mir reichen die Möglichkeiten der „D“-Fahrstufe völlig aus, damit kann ich „sportlich“ genug fahren - mein Portemonnaie wirds mir danken, und das Klima auch.

Tja - rollen lasen - wie weiland beim ecomatic, ginge mit Stellung auf „N“ auch, aber dann geht der Motor leider nicht aus, sondern verbraucht beim Stand-By Sprit, ganz im Gegensatz zum Rollen-lassen mit eingelegten Gängen, wo die Schubabschaltung den Spritverbrauch ja ganz auf Null drückt. In diesem Punkt musste ich mich etwas umgewöhnen, wobei die dabei entstehende Motorbremse zwar das lange Ausrollen verhindert, aber das DSG das abmildert, weil es ja nach und nach immer weiter runterschaltet und damit die Bremsphasen verlängert. In der S-Stellung ist das sogar besonders effektiv. Diese Schalthebelstellung kommt bei mir jetzt vorwiegend beim Runterbremsen zum Einsatz! (Fürs Bergabfahren im Gebirge ist die manuelle Tipptronic daher ein unbedingtes Muss.) Auch das wirkt sich aufs Treibstoffsparen aus.

Anfang März 2010 war ich auf der Cebit (A30/A2 bis zum nächsten S-Bf.) Der Verbrauch lag bei knappen 4,5 l. Da kann man im Vergleich zum ecomatic mit dem alten Saugdiesel nicht meckern. Wenn VW dessen Technikkonzept weiterentwickelt hätte, würde der Polo oder Golf heute locker ein echtes 3-Liter-Auto sein. Schade. Jetzt, wo der Winter wohl endgültig vorbei ist, hab ich schonmal ne deutliche Fünf vor dem Komma, aber ob ich ihn noch auf ne Vier drücken kann, hier im Vorstadtverkehr in ner hügeligen Gegend? Schaun mer mal. Ergebnis nach einem Jahr: unter 5 l nur im Langstreckenverkehr...

Fazit: Der neue Polo 66kW TDI mit DSG ist einfach Spitze! An Motor und Fahrwerk werd ich kein Geld in Tuning investieren, lieber in ein ordentliches Soundsystem (siehe unten meinen Blog). Der neue Polo läuft nämlich außerordentlich leise. Auf der Autobahn macht sich allerdings über 100km/h der Fahrtwind an den Fenstern stark bemerkbar - da hat VW an der Aerodynamik gespart. Einzige Macke bisher: Die Mittelverkleidung neben dem Gaspedal löst sich, weil die Klettverschlüsse nicht stark genug sind (freundliches Pattex hat auch nicht viel geholfen). Ich hab den Comfortline mit einigen kleinen Extras, Steckbrief siehe [hier]. Mir fällt nichts ein, wo ich sagen müsste: Ach, hätte er doch..., oder: Also das müsste jetzt aber anders... Doch: Radiovorbereitung ohne Radio! Aber das ist ja kein reines Polo-Problem. Die Bucht ist voll von nagelneuen RCD-210mp3-Radios, ich hab auch noch eins hier rumliegen (und im Keller hab ich das Cassettenradio aus meinem 1. Polo gefunden... Möchte es jemand geschenkt haben?)
:bgr:
(P.S.: Das RCD-210 ist für 100 weg, das „Alpha 1986“ -sehr gut erhalten! - gibt es noch.)
:bgr:
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